24.11.2020

50 Jahre Frauenfußball in Westerstede - Große Erfolge Anfang 2000

Als im Jahr 1970 der Deutsche-Fußball-Bund dem öffentlichen Druck endlich nachgab und den Frauenfußball in Deutschland erlaubte, war Westerstede auf der Hut und gleich mit dabei. Sorgsam, planvoll und überlegt war die Gründung des ersten Frauenfußballteams in Westerstede im September 1970 gerade nicht. Eher schon zufällig, chaotisch und konfus. Als sich nach einem Aufruf in der Nordwest-Zeitung 15 junge Frauen auf der Hössensportanlage einfanden, zeigten sich weder der Urheber der Anzeige noch irgendein anderer Verantwortlicher auf dem Sportplatz. Der Zufall griff aber ein, da zur gleichen Zeit die erste Herrenmannschaft des FSV trainierte. Von den Frauen angesprochen, wurden diese auf die Problematik aufmerksam. 

Spontan und geistesgegenwärtig stellte sich Friedrich "Bully" Seeger" (Titelbild) als Übergangstrainer für die Frauen zur Verfügung. Bis heute ist er der Frauen- und Mädchenabteilung verbunden geblieben und hat sie über viele Jahre entscheidend geprägt. Das erste Spiel fand kurz darauf vor über 800 Zuschauern statt. Obwohl Coach Seeger teilweise bis zu 13 Spielerinnen gleichzeitig auf das Feld geschickt hatte, ging die Partie mit 0:7 Toren gegen den FC Godenhsolt verloren. Dieses Ereignis war das Startzeichen für eine großartige Entwicklung in  den nächsten Jahrzehnten. 

In den 80er Jahren kickte der FSV in der Oberliga, der damals zeithöchsten deutschen Spielklasse. Ein beeindruckendes und unvergessliches Erlebnis hatten die FSV-Frauen 1991 im Regionalligaspiel im Volksparkstadion in Hamburg vor 35.000 Zuschauern, das unmittelbar vor der Bundesligabegegnung HSV gegen Bayern München stattfand und mit einem 1:0 Sieg für die Ammerländerinnen endete. 1999 und 2002 wurde der FSV unter Abteilungsleiter und Manager Bully Seeger Niedersachsenpokalsieger, 2000 Niedersachsenmeister, und in 2002 errang der FSV die Vizemeisterschaft in der Regionalliga. 


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Ein weiteres Markenzeichen der Westersteder Fußballfrauen waren die internationalen Frauenfußballturniere, die Bully Seeger zusammen mit Oscar Schneider aus Bremen organisierte. Topteams aus ganz Europa und Gäste aus den USA waren ständige Teilnehmer auf der Hössensportanlage. Viele deutsche Nationalspielrinnen  konnte Bully Seeger in Westerstede begrüßen. Rio-Olympiasiegerin Silvia Neid war hier als Spielerin wie auch die spätere Bundestrainerin Steffi Jones, die aktuelle Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg, die ehemaligen Nationalspielerinnen Birgit Prinz, Doris Fitschen sowie Ariane Hingst oder auch die Bundesliga-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus. 


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1980 fragte Johannes Süsens - damals Mitglied im Verbandsjugendausschuss des NFV - seinen FSV, ob er nicht Interesse habe, am deutsch-amerikanischen Jugendaustausch zu partizipieren. Das Interesse war da, sowohl bei den Jungen als auch bei den Mädchen im FSV Westerstede. 1981 ging es für die FSV-Mädchen und Frauen erstmals über den großen Teich nach Kalifornien. Bis heute wird der Austausch regelmäßig durchgeführt. Im nächsten Jahr fliegen die Mädchen aus Westerstede wieder nach Kalifornien und Nevada. Zudem kommt ein Teams aus der Nähe von Los Angeles in die Ammerländer Kreisstadt. 

Auch wenn die erste Frauenmannschaft derzeit nur auf Kreisebene vertreten ist und nicht an die einstigen Erfolge anknüpfen kann, steht  doch die Freude am Spiel im Vordergrund. Zum anderen dürfen sich die sonstigen Aktivitäten der fußballspielenden Frauen und Mädchen sehen lassen, wobei Bully Seeger mit seinen 82 Jahren hier noch immer aktiv ist. 

Zu nennen sind hier beispielhaft die  Informations- und Verkaufsstände des FSV auf dem Weihnachtsmarkt, dem Frühlings- und Herbstmarkt sowie der großen Rhododendronschau in Westerstede. Auch der Förderverein für den Mädchen- und Frauenfußball engagiert sich stark. 

In all den Jahren war das Gemeinschaftsgefühl der Fußballerinnen groß. So nahmen an der 40-Jahr-Feier in 2010 zahlreiche ehemalige Aktive teil. Diese hatten sich auch schon für das nächste große Ereignis angekündigt. Fünf Jahrzehnte Frauenfußball, 40 Jahre Jugendaustausch mit den USA sowie 30 Jahre Förderverein. All das sollte in diesem Jahr gefeiert werden. Wegen der Corona-Beschränkungen mussten die Festivitäten aber leider abgesagt werden. Nachgeholt werden soll das aber im Sommer 2021, wenn die Pandemie hoffentlich ihren Schrecken verloren hat.

Text und Bilder: Jürgen Hinrichs 

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Seite zuletzt aktualisiert am: 24.01.2021

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