Drei Vereine, ein gemeinsames Ziel: Mädchenfußball in Wilhelmshaven

Der WSC Frisia, der VfL Wilhelmshaven und der ESV Wilhelmshaven bündeln ihre Kräfte und gehen beim Mädchenfußball einen gemeinsamen Weg. Mit der MSG Wilhelmshaven wollen die drei Vereine Mädchen den Einstieg in den Fußball erleichtern und langfristig wieder feste Strukturen für den Mädchenfußball in der Jadestadt schaffen. Der Start macht Mut: Rund 25 Mädchen sind bereits dabei. Wir haben mit Denise Garnatz (WSC Frisia), Mike Ockenga (ESV WHV) und Florian Kestin (VfL WHV) über die Entstehung der MSG, die ersten Erfahrungen und die nächsten Schritte gesprochen.
Manchmal entstehen gute Ideen nicht am Schreibtisch und auch nicht nach monatelanger Planung. Manchmal zeigt die Realität ganz einfach, dass es Zeit ist, etwas Neues zu beginnen.
So war es auch bei der MSG Wilhelmshaven. Beim WSC Frisia gingen immer häufiger Anfragen von Mädchen ein, die gerne Fußball spielen oder zunächst einmal an einem Probetraining teilnehmen wollten. Denise Garnatz erinnert sich, dass der Verein zu dieser Zeit ohnehin eine Warteliste führte. Irgendwann wurde deutlich: Unter den Interessierten sind immer mehr Mädchen.
„Wir haben dann angefangen, auch dafür eine Warteliste zu führen – und es wurden immer mehr“, erzählt Garnatz. Dabei sollte das Thema Mädchenfußball ursprünglich noch etwas warten. Die Überlegung war, vielleicht in ein oder zwei Jahren damit zu beginnen. Doch die Nachfrage entwickelte ihre eigene Dynamik.
Für Garnatz passte das durchaus zu einem persönlichen Wunsch: „Ich wollte eigentlich schon immer ein bisschen etwas mit Mädchenfußball machen.“ Aus den einzelnen Anfragen und der immer länger werdenden Warteliste entwickelte sich schließlich eine konkrete Idee.
Und aus der Idee wurde die MSG Wilhelmshaven.
Drei Vereine ziehen an einem Strang
Mit dem WSC Frisia, dem VfL Wilhelmshaven und dem ESV Wilhelmshaven haben sich drei Vereine zusammengeschlossen, um gemeinsam etwas aufzubauen.
Das Prinzip einer Mannschaftsspielgemeinschaft bietet dabei einen entscheidenden Vorteil: Die Mädchen können Mitglied ihres jeweiligen Heimatvereins bleiben und trotzdem gemeinsam in einer Mannschaft spielen.
Dass drei Vereine mit unterschiedlichen Strukturen und Traditionen zusammenarbeiten, könnte durchaus Herausforderungen mit sich bringen. In der Praxis funktioniert das Zusammenspiel bislang aber ausgesprochen unkompliziert.
„Gut. Bis jetzt kann man nicht meckern“, sagt Mike Ockenga und fügt mit einem Lächeln hinzu, dass insbesondere Denise Garnatz und Florian Kestin das Projekt derzeit mit viel Einsatz vorantreiben.
Entscheidend ist ohnehin das gemeinsame Ziel: Mädchen in Wilhelmshaven eine Möglichkeit zu geben, gemeinsam Fußball zu spielen.
Die anfängliche Skepsis ist schnell verschwunden
Ein Teil der Mädchen, die inzwischen zur MSG gehören, hat bereits Fußballerfahrung. Einige spielten zuvor in Jungenmannschaften. Andere stehen dagegen noch ganz am Anfang. Gerade bei den Mädchen, die das Spielen in einer Jungenmannschaft gewohnt waren, gab es zunächst durchaus Zurückhaltung. Florian Kestin berichtet: „Viele Mädels waren am Anfang ein bisschen skeptisch, ob das jetzt etwas für sie ist.“
Diese Skepsis verschwand offenbar schnell. Wer sich für ein Probetraining entschieden habe, sei anschließend in aller Regel geblieben. „Bisher haben wir eigentlich nur Gutes gehört. Alle, die kamen, kommen auch immer wieder.“ Mittlerweile gehören rund 25 Mädchen zum Projekt. Das ist für die Verantwortlichen einerseits eine schöne Bestätigung. Andererseits stellt die schnelle Entwicklung die MSG bereits vor eine der ersten großen Herausforderungen.
Anfängerinnen und erfahrene Spielerinnen lernen voneinander
Im Training treffen Mädchen aufeinander, die schon länger Fußball spielen, und andere, die gerade ihre ersten Erfahrungen mit dem Ball sammeln. Deshalb geht es zunächst darum herauszufinden, wo jede einzelne Spielerin steht.
Wer hat bereits Erfahrung? Wer ist technisch und spielerisch schon etwas weiter? Wer beginnt gerade erst? Und welche Altersgruppen passen zusammen?
Dabei sollen die Mädchen ausdrücklich voneinander lernen. Gleichzeitig achten die Verantwortlichen darauf, Spielerinnen mit ähnlichen Voraussetzungen immer wieder zusammenzuführen. So können Anfängerinnen in Ruhe die Grundlagen kennenlernen, während erfahrenere Spielerinnen entsprechend ihres Leistungsstandes gefordert werden. Gleichzeitig bleibt das gemeinsame Training ein wichtiger Bestandteil – schließlich soll aus vielen unterschiedlichen Mädchen nach und nach eine Gemeinschaft entstehen.
Trainiert wird bei allen drei Vereinen
Auch organisatorisch soll deutlich werden, dass die MSG ein gemeinsames Projekt ist. Deshalb soll das Training langfristig nicht dauerhaft bei nur einem der drei Vereine stattfinden. Die Trainingsorte sollen regelmäßig wechseln. Aktuell gibt es allerdings eine Besonderheit: Beim ESV beginnen Bauarbeiten, sodass dieser Standort zunächst nicht zur Verfügung steht. Momentan wird noch bei WSC Frisia trainiert, um dort den Naturrasen so lange wie möglich zu nutzen. Wenn das nicht mehr möglich ist, soll das Training zunächst beim VfL Wilhelmshaven stattfinden.
Sobald die Arbeiten beim ESV im kommenden Jahr abgeschlossen sind, soll auch dieser Standort wieder einbezogen werden. Geplant ist anschließend ein regelmäßiger Wechsel zwischen den Vereinen – voraussichtlich im 14-Tage-Rhythmus. Damit wird auch nach außen sichtbar, worum es bei der MSG geht: nicht um einen einzelnen Verein, sondern um ein gemeinsames Angebot für den Mädchenfußball in Wilhelmshaven.
Die Mädchen sind da – jetzt fehlen Trainerinnen und Trainer
Die vielleicht wichtigste Botschaft des Gesprächs kommt auf, als es um weitere interessierte Spielerinnen geht. Denn grundsätzlich könnte die MSG noch wachsen. Das Interesse ist vorhanden. Weitere Mädchen könnten aufgenommen und perspektivisch sogar zusätzliche Mannschaften gemeldet werden. Doch bei derzeit rund 25 Spielerinnen kommen die Verantwortlichen personell langsam an ihre Grenzen.
Aktuell stehen lediglich zwei Trainerinnen beziehungsweise Trainer für die Mädchen zur Verfügung – und beide sind zusätzlich noch bei Jungenmannschaften aktiv. Florian Kestin bringt die Situation auf den Punkt: Mehr Mädchen wären möglich, mehr Mannschaften ebenfalls – es fehlen aber Trainerinnen und Trainer.
Und genau deshalb richtet sich die MSG ausdrücklich auch an Menschen, die sich eine solche Aufgabe vielleicht bislang noch gar nicht zugetraut haben. Denn eine vorhandene Trainerlizenz ist für den Einstieg keine Voraussetzung. Auch wer bislang noch keine Mannschaft trainiert hat, kann anfangen und Schritt für Schritt in diese Aufgabe hineinwachsen. Die beteiligten Vereine unterstützen dabei auch bei der Qualifizierung und entsprechenden Lehrgängen.
Ein Kindertrainer-Zertifikat kann beispielsweise ein guter Einstieg sein. Notwendig ist außerdem ein erweitertes Führungszeugnis. Viel wichtiger ist zunächst aber etwas anderes: Freude am Fußball, Spaß an der Arbeit mit Kindern und die Bereitschaft, regelmäßig ein wenig Zeit für die Mädchen zu investieren.
Wer sich vorstellen kann, die MSG als Trainerin oder Trainer zu unterstützen, ist deshalb ausdrücklich willkommen.
Der nächste Schritt: eigene Altersklassen und Spielbetrieb
Sportlich haben die Verantwortlichen bereits eine klare Vorstellung davon, wohin sich die MSG entwickeln soll. Momentan trainieren noch unterschiedliche Alters- und Leistungsgruppen miteinander. Perspektivisch sollen daraus eigene Mannschaften entstehen. Das Ziel sind Strukturen für D-, E- und F-Juniorinnen.
Die ersten Schritte in Richtung Spielbetrieb sollen bereits in der Halle gemacht werden. Dort möchte die MSG zunächst mit zwei Mannschaften starten. Danach soll es auch draußen weitergehen. Ziel ist es, zur entsprechenden Spielrunde eigene Mannschaften melden zu können. Ob es zunächst eine oder vielleicht sogar mehrere Mannschaften werden, hängt vor allem davon ab, wie sich die Zahl der Spielerinnen und die Trainersituation entwickeln.
Sportlicher Erfolg allein steht dabei zunächst gar nicht im Vordergrund. Viel wichtiger ist, dass die Mädchen regelmäßig trainieren, Spielerfahrung sammeln und langfristig die Möglichkeit bekommen, in Wilhelmshaven in Mädchenmannschaften Fußball zu spielen.
Rot, Grün, Blau – oder am Ende doch Grau?
Eine Frage muss bei drei beteiligten Vereinen natürlich ebenfalls geklärt werden: In welchen Farben spielt eigentlich die MSG Wilhelmshaven? Schließlich bringt jeder Verein seine eigenen Farben mit. Die Antwort darauf sorgte im Gespräch für einen der humorvollsten Momente.
Wenn man alle Vereinsfarben in einen Topf werfe und schaue, was dabei herauskomme, lande man wahrscheinlich bei Grau, hieß es augenzwinkernd. Ganz so wissenschaftlich soll die endgültige Entscheidung dann doch nicht getroffen werden. Über die Trikots wurde bereits gesprochen. Grau ist tatsächlich eine Möglichkeit, ebenso Schwarz. Gewünscht ist eine möglichst neutrale Farbe, mit der sich alle drei Vereine identifizieren können.
Eine weitere wichtige Frage ist sogar bereits geklärt: Ein Trikotsponsor wurde gefunden. Jetzt fehlen noch die endgültige Farbentscheidung und die Bestellung – dann kann die MSG auch optisch als gemeinsame Mannschaft auftreten.
„Mädchenfußball in Wilhelmshaven braucht …“
Zum Abschluss unseres Gesprächs haben wir Denise Garnatz, Mike Ockenga und Florian Kestin einen Satz vorgegeben. Jeder sollte ihn spontan vervollständigen:
„Mädchenfußball in Wilhelmshaven braucht …“
Für Denise Garnatz lautet die Antwort: mehr Aufmerksamkeit. Sie möchte mit der MSG dazu beitragen, Mädchen überhaupt erst auf die Idee zu bringen, selbst Fußball zu spielen. Denn noch immer gebe es Mädchen, die davor zurückschrecken, in einer Jungenmannschaft anzufangen – sei es aus Unsicherheit oder aus Sorge, dort nicht richtig hineinzupassen.
Genau ihnen soll die MSG eine Alternative bieten. Mike Ockenga nennt gleich mehrere Punkte: Unterstützer, Sponsoren, Trainer und viele helfende Hände. Denn nur mit Menschen, die bereit sind, sich einzubringen, könne sich der Mädchenfußball dauerhaft entwickeln.
Florian Kestin formuliert es ähnlich. Mädchenfußball brauche „die Unterstützung, die er verdient haben sollte“ – durch ehrenamtliche Helferinnen und Helfer ebenso wie durch Trainer und Sponsoren.
Aus einer Warteliste wird eine Perspektive
Noch steht die MSG Wilhelmshaven ganz am Anfang ihrer Geschichte. Aber vielleicht ist gerade ihre Entstehung das beste Zeichen dafür, welches Potenzial vorhanden ist. Dieses Projekt wurde nicht geschaffen, um anschließend mühsam nach Spielerinnen suchen zu müssen.
Es entstand, weil die Mädchen bereits da waren. Weil sie gefragt haben. Weil sie Fußball spielen wollten. Und weil irgendwann klar wurde, dass aus einzelnen Anfragen etwas Gemeinsames entstehen kann.
Rund 25 Mädchen machen inzwischen mit. Drei Wilhelmshavener Vereine haben sich zusammengetan. Erste Mannschaften sollen in den Spielbetrieb gehen. Ein Trikotsponsor ist gefunden. Die nächsten Schritte sind geplant. Was jetzt vor allem gebraucht wird, sind weitere Menschen, die diesen Weg mitgehen.
Denn wenn es gelingt, zusätzliche Trainerinnen und Trainer, ehrenamtliche Helfer und Unterstützer zu gewinnen, könnte aus dem gelungenen Start etwas Dauerhaftes entstehen.
Drei Vereine. Viele Mädchen. Und ein gemeinsames Ziel: dem Mädchenfußball in Wilhelmshaven wieder eine echte Perspektive zu geben.