Westersteder Fußballpionier Friedrich „Bully“ Seeger 88-jährig verstorben

Der Fußball prägte sein Leben. Nun ist der Westersteder Fußballpionier Friedrich „Bully“ Seeger im Alter von 88 Jahren verstorben. Über 50 Jahre lang war er ununterbrochen und mit herausragenden Leistungen im FSV Westerstede ehrenamtlich tätig – zunächst als Jugendtrainer und Coach der zweiten Herrenmannschaft, später mit prägendem Schwerpunkt im Mädchen- und Frauenfußball.

Er war der Mann der ersten Stunde für den Frauenfußball im Ammerland und gründete 1970 eine selbstständige Abteilung im FSV Westerstede. In den folgenden Jahrzehnten durfte er mit seinen FSV-Frauen viele große Erfolge feiern. In den 1980er-Jahren kickte der FSV in der Oberliga, später in der Regionalliga – der damals zweithöchsten deutschen Spielklasse. Unter Abteilungsleiter und Manager Bully Seeger wurde der FSV 1999 und 2002 Niedersachsenpokalsieger, im Jahr 2000 Niedersachsenmeister und sicherte sich 2002 die Vizemeisterschaft in der Regionalliga.

Fast 30 Jahre lang veranstaltete Seeger zudem die europaweit viel beachteten internationalen Frauenfußballturniere auf der Hössensportanlage. Spitzenteams aus Deutschland, Europa und den USA gehörten zu den ständigen Teilnehmern. Zahlreiche deutsche Nationalspielerinnen durfte er in Westerstede begrüßen – darunter die spätere Olympiasiegerin und Bundestrainerin Silvia Neid, deren Nachfolgerin Steffi Jones sowie Doris Fitschen und Ariane Hingst.

Seit 1980 engagierte er sich darüber hinaus im Rahmen des deutsch-amerikanischen Jugendaustauschprogramms für regelmäßige Begegnungen in den USA und Westerstede. Bis heute finden Besuche der Fußballmädchen vor allem nach Kalifornien und Nevada statt; mehr als 20 Begegnungen wurden allein in der Kreisstadt ausgerichtet. Zudem unternahmen die Fußballerinnen Reisen nach Holland, Belgien, Frankreich, England, Tschechien und Ungarn.

Der FSV Westerstede profitierte immer wieder von seinen Ideen und Impulsen. Als erfolgreicher Geschäftsmann mit einem großen Netzwerk war das Ehrenmitglied für seinen Verein „Gold wert“. Bully Seeger verstand es, Visionen Wirklichkeit werden zu lassen und unzählige Menschen – ob jung oder alt – für den Sport zu begeistern. Mit Beharrlichkeit setzte er sich in der damaligen „Männerwelt des Fußballs“ für den Frauenfußball ein – sei es als Trainer, Manager, Sponsor, Abteilungsleiter oder schlicht als Mensch. Er fand für jedes Problem eine Lösung und lebte den Fußball bis zuletzt. Ehrenamt bedeutete für ihn gelebte Solidarität und die Bereitschaft, Verantwortung für seine Mitmenschen zu übernehmen.

Im Januar 2017 wurde Seeger mit dem Ehrenamtspreis des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ausgezeichnet. Für sein jahrzehntelanges Engagement im Fußballsport und seine Verdienste um die Völkerverständigung verlieh ihm die Ammerländer Landrätin Karin Harms im Juli 2023 im Westersteder Rathaus die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Bully Seeger hinterlässt ein bleibendes Vermächtnis. All diese Erfolge wären ohne die Unterstützung seiner Ehefrau Christel nicht denkbar gewesen, die ihm stets den Rücken freihielt und an seiner Seite stand. Sein Wirken wird unvergessen bleiben – er hat Generationen inspiriert und den Fußball in der Region maßgeblich geprägt. Der FSV Westerstede und der Fußballkreis Jade-Weser-Hunte danken Bully Seeger von Herzen für seinen unerschütterlichen Einsatz und die Leidenschaft, mit der er die Sportgemeinschaft bereichert hat.

Die Trauerfeier mit anschließender Beisetzung findet am Freitag, 30. Oktober 2026, um 12:00 auf dem Friedhof in Westerstede statt.

Friedrich „Bully“ Seeger hat sich um Frauenfußball und Völkerverständigung verdient gemacht
Überreichung der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland durch die Ammerländer Landrätin Karin Harms im Juli 2023 an Friedrich „Bully“ Seeger. Links sitzend der Westersteder Bürgermeister Michael Rösner

Autor: Jürgen Hinrichs (Text und Foto F. Seeger); Doris Grove (Foto Ehrung)